Charlotteville

Viele Yachten lassen sich durch den schlechten Ruf, die behördlichen Auflagen und die nicht idealen Segelbedingungen um nach Tobago zu gelangen, von einem Besuch der Insel abschrecken. Uns hat der kleine Fischerort am Rande der Pirates Bay vom ersten Tag an in seinen Bann gezogen. Und wir sind froh, es hierher geschafft zu haben.

Mitte des 17. Jahrhunderts begann von hier aus die Besiedlung der Insel durch Europäer. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde in der Gegend erst Zuckerrohr und später Kakao angebaut. Durch den Zuwachs an Plantagenarbeitern bildete sich die Siedlung.

Heute leben die etwa 1000 Einwohner von Fischfang und Tourismus.

Den Tourismus spüren wir zur Zeit kaum. Der Ort strahlt einfach Ruhe aus. Die Menschen hier scheinen viel Zeit zu haben. Außer an den Wochenenden, da steppt  der Bär, auch wenn es nur ein kleiner ist. Die Fischerboote fungieren dann als Ausflugsschiffe und bringen Leute in die kleinen Buchten rundherum. Abends trifft man sich unten am Strand. Aus den Autos klingt Musik. Alle haben gute Laune. Das kleine zweietagige Einkaufszentrum hat einige leere Geschäfte und die paar bewirtschafteten Läden scheinen nur sporadisch offen zu haben. Richtig Betrieb ist allerdings am Fischmarkt. Hier müssen wir etwas Geduld mitbringen. Dafür bekommen wir den stattlichen Red Snapper dann aber fachgerecht zerlegt.

Gleich hinter dem „Landungssteg“ befindet sich ein kleiner Supermarkt, in dem es das Nötigste zu kaufen gibt. Er hat sogar eine kleine Werkzeugecke und etwas Platz für Medikamente. 

Ein Stück weiter unten ist ein überdachter Obst- und Gemüsestand. Wir sollen ruhig sagen, wenn wir etwas Besonderes brauchen, es ist dann in ein bis zwei Tagen hier. Dabei finden wir das Angebot jetzt schon sehr umfassend, lecker, frisch und preiswert.

Es ist also alles da, was wir brauchen.

Die Bucht ist sehr tief. Man ankert auf etwa 20 m Tiefe. Im flachen Bereich liegen die kleinen bunten Fischerboote an Moorings. Danach fällt der Meeresboden steil ab. Am nördlichen Rand der Pirates Bay gibt es 14 Moorinbojen für Gäste. Als dort etwas frei wird, ziehen wir um. Hier liegen wir wenigstens etwas ruhiger und auch gleich vor der Schnorchelecke. Direkt vom Boot aus lassen wir uns ins klare Wasser plumpsen und befinden uns in einem riesigen Aquarium. So haben wir das gerne. 

Auch kulinarisch gibt’s in Charlotteville einiges zu entdecken. Gleich am ersten Tag landeten wir bei Sharon & Phebs, dem ersten Haus am Platz. Hier bekommt man auch seine Wäsche gewaschen, vorausgesetzt es hat ausreichend geregnet. Aber dann können wir auch selbst waschen …

In der kleinen Mall ist eine Minieisdiele. Es gibt nur vier verschiedene Sorten, dafür zwei Möglichkeiten für die Waffeln. Das Eis ist sehr lecker und wir schauen regelmäßig vorbei. Manchmal bekommt man auch frische fast reife Avocados.

Ein Stückchen weiter im Charlotteville Roti Shop gibt’s die besten Doubles, frisch zubereitet und reichlich gefüllt. Nicht einfach zu essen, aber ein Waschbecken  für hinterher ist in der Mall und am Supermarkt. 

Gut versteckt und freitags bzw. samstags abends nur an der langen Schlange von Locals zu erkennen, ist eine kleine Grillstation. Es gibt Knoblauchkartoffeln, frischen Salat und wahlweise Fisch, Huhn oder Schwein. Oberlecker! Kein Wunder, dass die Leute hier so anstehen.

Uns geht’s also rundum richtig gut in dieser unglaublich schönen Kulisse.

Regelmäßig pladdern sehr ergiebige Regengüsse über uns hernieder. Manchmal ist das Wasser in der Bucht danach ganz trübe von den Sedimenten, die aus den Bergen herunter geschwemmt werden. Leider ist dann reichlich Müll, wie Plastikflaschen, mit dabei. Manchmal ist es nach dem Regen aber auch ganz klar, als wenn das Regenwasser alle Sedimente weggewaschen hätte. 

Die Luftfeuchtigkeit steigt dann über 80%und die Sonne bringt 32 grad dazu. Das lässt uns alles noch langsamer angehen …

Leider können wir nicht nur die Natur beobachten und genießen. Unser Ole meutert ja schon, seit  wir Grenada verlassen haben bzw. kurz davor. Immer wieder baut Thomas ihn auseinander und wieder zusammen. Inzwischen schafft er das in Bestzeit. Im Testlauf ist trotzdem jedesmal zu viel Salz. Das heißt, wir müssen Trinkwasser vom Land holen. Das gibt es kostenlos an verschiedenen Zapfstellen. Am Steg ist leider der Wasserhahn kaputt. So sprudelt es entweder ununterbrochen oder es ist abgestellt. Dann müssen die acht Kanister ein ganzes Stück zu Schlauchi zurück geschleppt werden. Wir fahren nun alle paar Tage an Land, um unseren Tank zu füllen oder es wandert Regenwasser hinein. 

Das Wasserthema wird uns wohl noch eine ganze Weile beschäftigen.

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