Guadeloupe 

Die Hauptinsel Guadeloupe ist mit 1628 km2 und 390000 Einwohnern die größte Insel der kleinen Antillen, obwohl es sich ja eigentlich um zwei Inseln handelt. Die beiden Teile Basse-Terre und Grand-Terre werden durch einen schmalen Meerarm  getrennt. Grand-Terre ist hügelig und relativ dicht besiedelt. Dort gibt es lange Sandstrände und viel Landwirtschaft. Basse-Terre zeichnet ein mit dichtem Urwald überzogener Gebirgszug aus, in dem sieben Flüsse einige Wasserfälle erzeugen.

Da unser Ankerplatz sehr nah am Stadtzentrum von Pointe-a-Pitre liegt, gibt es hier für uns erstmal eine Menge zu entdecken. Nach einer erfolglosen Einkaufstour, Thomas‘ elektrischer Rasierer hatte sich klammheimlich verabschiedet, steigen wir am Kulturzentrum aus dem Bus. Den Tipp bekamen wir von der SY Mokendeist.

Etwas abseits der ausgetretenen Touristenpfade befindet sich das Centre des Arts er de la Culture. Es ist eine Betonruine, die von außen ein wenig gruselig aussieht.

Der 1978 eröffnete Kulturpalast schloss nach 32 Jahren 2009 seine Pforten, um modernisiert und erweitert zu werden.

Leider wurden die Arbeiten bis jetzt nicht vollendet. Der große Konzertsaal steht leer, Tanz- und Musikschulkurse finden nicht mehr statt …

Seit 2021 besetzt ein Künstlerkolektiv (Kolèktif Awtis Rézistans) das riesige Gebäude und füllt es mit Leben und Kunst. Gelegentlich finden wohl auch Konzerte und andere Veranstaltungen statt. Die großen Wandbilder sind wirklich beeindruckend und füllen teilweise einen ganzen Raum. Auf dem Rückweg über den Spice Market sind wir schon ziemlich hungrig. Im Gegensatz zu den anderen Karibikinseln, auf denen wir waren, fehlen hier die Streetfoodstände an denen man mittags gut und günstig essen kann. Vor dem „Gasthaus mit der goldenen Schwinge“ ist eine lange Schlange und wir müssen ewig suchen, um einen halbwegs preiswerten Lunch zu finden …

Zusammen mit den Summers besuchen wir ein Museum ganz in der Nähe. Schon das Gebäude ist ein beachtliches Monument. Seine netzartige Verkleidung soll an das Wurzelgeflecht eines Feigenbaums erinnern. Es erstrahlt abends in einem besonderen Licht und leuchtet mit den riesigen Kreuzfahrern um die Wette, die am Wochenende täglich wechseln. 

Das Memorial de ACTe ist ein Museum, das sich mit der Geschichte, dem Erbe und der Erinnerung des Sklavenhandels, der Sklaverei und ihrer Abschaffung befasst.

Es wurde am 10. Mai 2015, am 9. nationalen Gedenktag eröffnet …

Das schwere Thema, wird hier eindrucksvoll und wahrheitsgemäß aufgearbeitet. Dank eines Audioguides können wir es auch in deutscher Sprache erleben. Die Geschichte Guadeloupes die Ausrottung der Ureinwohner, der Sklaven und der Eroberung durch die Europäer, der Aufstand der Sklaven, das Ende der Sklaverei und die Entwicklung der kreolischen Kultur sind mit faszinierenden Medien dargestellt. 

Am Ankerplatz klopft es an unsere Bordwand. Die deutsche Yacht St‘Raphaël liegt ganz in unserer Nähe. Wir verbringen zwei schöne Abende miteinander und tauschen unsere Erlebnisse und die schönsten Orte unserer Reisen aus. Dann ziehen Karin und Marc leider nach Süden weiter, da sie in Martinique Besuch erwarten. Im Hafen entdecken wir eine HR352, also ein etwas kleineres Schwesterschiff unserer Seestern. Dieses Mal klopfen wir an die Bordwand. Steffi und Christian sind mit ihrer Krassy schon das zweite Mal auf Atlantikrunde. Auch mit ihnen erleben wir zwei tolle Abende, bei denen die Zeit wie im Flug vergeht. Ihr Weg führt etwa in die gleiche Richtung, wie der unsere. Sicher treffen wir uns auf einer anderen Insel wieder oder spätestens in Cuxhaven, wo sie zu Hause sind.

Da wir mit dem Bus doch sehr eingeschränkt sind, mieten wir für ein paar Tage ein Auto. Das erweitert unseren Radius kolossal. 

Am ersten Tag fahren wir gleich mal auf die Westinsel. Auf dem Weg zum weitläufigen Fort Delgrès schauen wir uns eine kleine Kassaverie an. Dort wird aus Manioc Mehl gemacht und anschließend kleine Fladen mit verschiedenen Füllungen gebacken. Das etwas trockene Gebäck überzeugt uns allerdings nicht so ganz. Beeindruckend ist da eher mal wieder die Tatsache, wie sich die Menschen an eigentlich giftige Pflanzen herantasten. Der rohe Maniok enthält viel Blausäure. Erst durch gründliches Zerkleinern, Fermentieren und Erhitzen werden die Knollen essbar.

Der Rundgang durch das große Ford der Inselhauptstadt Basse-Terre gleicht einer Wanderung. Viele Gebäude der 1650 als befestigtes Haus erbauten und über Jahrzehnte immer wieder erweiterten Verteidigungsanlage, sind noch in richtig gutem Zustand. Auf dem riesigen Gelände dürfen wir uns frei bewegen. In zwei Gebäuden gibt es Ausstellungen. Im Großen Pulverhaus haben sich 1976 Forscher verschanzt, um den Ausbruch des noch immer aktiven Vulkans La Soufriere genau zu beobachten. Und auch sonst eröffnen sich uns viele Einblicke, Durchblicke und Ausblicke.

Schon auf dem Weg hierher entdeckten wir an der Promenade eine Wagenburg mit Streetfood. Klar, das wir das nutzen müssen. Bokit ist ebenfalls ein typisches Guadeloupeessen. Nach Abschaffung der Sklaverei entwickelte die schwarze Bevölkerung ihr eigenes Brot. Der in heißem Öl ausgebackene Fladen erinnert mich ein wenig an den Langos aus Ungarn. Hier wird er aufgeschnitten und verschieden gefüllt, z.B. mit Käse, Ei, Fleisch, Soßen und Salat. Wir sind pappsatt hinterher …

Auf dem Rückweg fahren wir in der Mitte der Westinsel durch den Urwald und wandern ein Stück an einem Flusslauf entlang zu den

Cascade aux Écrevisses zwei schmalen Wasserfällen. Der Weg zum oberen Fall ist breit und gepflastert. Es wimmelt nur so von Menschen. Die Männer wagen einen Sprung in den vollen kalten Pool. Mir ist diesmal nicht so danach. Auf der anderen Seite der Straße führt eine Treppe hinunter zum Picknickplatz. Ruhig und gemütlich ist es hier. Der Fluss gluckert gemütlich über die Steine. Und wenn man sich durch den matschigen Weg traut entdeckt man noch einen ganz einsamen Wasserfall mit einem flachen Badebecken. Schade, dass wir zuerst den Massen hinterher sind …

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