Aufbruchstimmung

Die letzten zwei Päckchen sind endlich angekommen. Das Boot ist aufgeräumt, die Seekoje aufgebaut, die Satellitentechnik für Notfälle und Wetterbericht einsatzbereit, Essen für ein paar Tage vorgekocht, frische Lebensmittel besorgt, Wasser aufgefüllt, Müll weggebracht und noch einmal Wäsche gewaschen. 

Vor ein paar Tagen lag ein gebrochener Kabelbinder an Deck. Der macht uns etwas unruhig.

Daher hilft uns Reinhard am Nachmittag, Thomas in den Mast zu kurbeln. Da oben ist zum Glück alles in Ordnung auch Rollen und Wanten. Der Kabelbinder war wohl vom Nachbarn … Jetzt sind wir abreisefertig.

Zusammen mit unserer kleinen Community treffen wir uns zum Abschluss auf eine Pizza beim Italiener. Trotz des schönen Abends haben wir Hummeln im Leib … Immer wieder ist ein aktueller Wetterbericht verfügbar, der natürlich auch abgerufen wird. Jedesmal sieht er etwas anders aus. Die Wetterlage ist nicht so stabil, wie es erst schien. Schon am Abend wird klar, dass wir mindestens noch eine Nacht länger bleiben. Der Wind dreht auf Südwest und da wollen wir hin …

Es ist gar nicht so einfach, geduldig zu sein. Aber die ca. 6 Tage Fahrt über den Atlantik, unsere bisher längste Nonstopetappe, schon mit einem Kurs gegen Wind und Welle zu starten ist für uns auch keine Option. Leider werden wir dadurch auch meine Schwester und ihre Familie ganz knapp auf Lanzarote verpassen …

Kaum zu glauben, dass wir bis vor zwei Wochen noch fast täglich am Strand waren. Seit den Sturmtagen ist der Herbst in Lissabon eingezogen. Wir haben wieder lange Hosen an und die Fleecejacken sind auch am Start. Statt Sangria gibt es abends heißen Tee. Mit dem Heizlüfter versuchen wir die eindringende Feuchtigkeit in Schach zu halten. Und wir dachten so weit im Süden haben wir anderes Wetter …

Es sind nicht die niedrigeren Temperaturen, die uns zu schaffen machen. Eher sorgen uns die schnellen Wechsel von Starkwind und Flaute. Die Winde pausieren meist gerade so lange, dass sich das Wellenbild kaum beruhigen kann. Nur vier Boote haben in den letzten Tagen unseren Hafen verlassen. Zwei mit dem Ziel Madeira und zwei wollen die Küste entlang nach Süden. Wie es ihnen wohl dort draußen ergeht? Zwei neue deutsche Yachten liegen an unserem Steg. Diese Crews wollen nicht vor Ende der Woche weiter Richtung Madeira.

Wir haben beschlossen noch bis zum Wochenende hier zu bleiben. So wie es aussieht, sind wir dann auch nicht allein unterwegs. Glücklicherweise klappt das hier in der Marina ganz unproblematisch. Obwohl bei der Anreise betont wurde, dass wir nur maximal vier Wochen bleiben dürfen, sind wir nun schon fast sechs Wochen vor Ort. 

Was soll’s, es gibt sicher schlechtere Orte zum Verweilen. Vielleicht fahren wir ja nochmal in die Stadt …

4 Kommentare


  1. Nur zur „Beruhigung“: die Leute von der Regatta Transat Jacque Vabre haben die gleichen Probleme wie ihr…

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    1. Das hilft uns jetzt leider auch nicht weiter. Wir werden wohl noch ein paar Tage hier bleiben und hoffen, dass es dann wind- und wellentechnisch besser passt.Danke aber für dein Mitgefühl 😉

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      1. 🙂

        Ich hatte was von 12m Wellen und 100kn Wind gelesen… da bleibt mal bitte lieber gern im sicheren Hafen

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        1. Das wird hier lt. Vorhersage deutlich weniger, aber immer noch heftig. Wir bleiben natürlich im sicheren Hafen … wie schon bei den letzten beiden Sturm- bzw. Starkwindereignissen …

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