Marie Galante 

Am Dienstag Morgen brechen wir zeitig auf. Die MaLu folgt uns bis hinter die Carbits Halbinsel. Dann müssen wir anluven, während die anderen auf ihrem Kurs bleiben. Lange sehen wir sie noch am Horizont …

Nach etwa sechs Stunden fällt unser Anker nach knapp 27sm vor St. Louis, Marie Galante.

Die Insel sieht schon von weitem ganz anders aus, als die Karibikinseln die wir bisher besucht haben.

Flach wie ein Eierkuchen liegt das etwa 160km2 große, vor etwa 5 Millionen Jahren entstandene Kalksteineiland im Meer. 

Bis Christoph Kolumbus auf seiner 2. Reise im 15. Jahrhundert hier ankam, war die Insel mit dichtem Wald bedeckt. Die Arawack, die ersten Siedler, nannten ihre Insel Aichi. Von den ersten Europäern bekam sie den Name Marie Galante, nach Kolumbus‘ Flaggschiff.

Nun musste der Wald zu großen Teilen weichen, um für Zuckerrohr Platz zu machen. Die Ureinwohner wurden versklavt und umgebracht … Später übernahmen die Franzosen die Insel und Menschen aus Afrika mussten die schwere Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen leisten … So ähnelt sich die traurige Geschichte auf allen Inseln, die wir bisher besucht haben.

Durch die flache Landschaft konnten Windmühlen das Pressen der Zuckerrohrs übernehmen. Teilweise sollen über Hundert Mühlen über die Insel verteilt gewesen sein. Einige davon kann man heute noch, zumindest als Ruinen, besichtigen.

Jetzt überlegen wir echt, wie wir unsere Fahrräder an Land bekommen. Hier würde das Radeln mal wieder richtig Spaß machen.

Neben uns ankert ein etwas kleineres Schwesterschiff. Mit den beiden Männern von der BigWig treffen wir uns abends an Land. Sie sind deutlich schneller als wir unterwegs. Letztes Frühjahr in der Ostsee gestartet, wollen sie Ende Mai schon wieder zu Hause sein. Wir genießen die kurze Begegnung mit Jens und Sven, bevor sie uns wieder davon segeln. Vielleicht treffen wir uns ja nächstes Jahr auf der Ostsee …

Den ersten Ausflug starten wir dann aber mit dem Bus. Eine Tour zwischen St. Louis und Grand Bourg kostet 2,50€ , egal wie weit man auf diesem Abschnitt mitfährt. Wir steigen schon nach einem drittel der Strecke aus. Pere Labat ist eine der drei Destillen auf der Insel. Klar, dass Rum bei so viel Zuckerrohr ein Muss ist. Der hiesige soll besonders gut sein. Das wird leider auch im Preis deutlich …

Die kleine Brennerei dürfen wir auf eigene Faust besichtigen. Auf Schildern ist der Prozess beschrieben und dank eines Onlineübersetzers können wir sogar verstehen, was dort geschrieben steht. 250 Flaschen werden hier täglich von Hand abgefüllt. Die Verkostung ist sehr großzügig, man darf von jeder der 8 Sorten probieren. Wir suchen drei aus und lassen je ein Tröpfchen langsam durch die Zunge sickern. Unser Favorit kostet dann aber leider 55€/0,7l und muss im Laden bleiben.

Dass wir von hier aus einen Bus entern können, stellt sich bald als unwahrscheinlich heraus. Beherzt hält Thomas den Daumen raus und nach fünf Minuten sitzen wir in einem etwas nach Landwirtschaft riechendem Kombi. Die Französin lebt seit ein paar Jahren in einem Van im Süden der Insel. Leider spricht sie nur wenig englisch, so dass der Austausch etwas mühsam ist. Ruckzuck sind wir in Gand Bourg und beginnen mit der Sightseeingtour in der kleinen Stadt. Unser erster Eindruck sagt, der Lack ist ab. Man kann den ehemaligen Glanz noch erkennen. 

Viele tolle Mauerkunstwerke lassen uns an Berlin denken …

Der kleine Hafen ist von Riff gut geschützt. Dort bricht sich hellblau die Welle. Es liegen nur eine Handvoll Yachten hier.

Im Herzen des Ortes gibt es einen kleinen Marktplatz mit Ständen für Touristen, also Tücher, Gewürze, Rumpunch und Schmuck. Die kleine Kirche am Ende hat dann aber doch richtig Charme. Durch bunte Fenster leuchtet die Sonne herein. Auf dem zweiten Blick sieht man lauter ganz besondere Details.

Auf der anderen Marktseite lockt eine bunt eingerahmte offene Tür zum Reinschauen ein. Offensichtlich ist das so eine Art Karnevalmuseum. Bunte, phantasievolle Kostüme werden hier sehr schön präsentiert. Verschiedenfarbige Tücher schirmen die Sonne über einen kleinen Hof ab und tauchen das Ganze in zauberhaftes Licht. 

Und damit haben wir wohl schon alles im Ort gesehen.

Mittags teilen wir uns ein belegtes Baguette und da sich Thomas‘ Zeh heute ganz gut macht laufen wir aus der Stadt. Auf der Komood-App hatte ich einen schönen Wanderweg zu einer alten Zuckerrohrfabrik entdeckt. Er führt uns dicht am Ufer entlang. In regelmäßigen Abständen gibt’s sogar Schautafeln, die die Tier- und Pflanzenwelt und historische Bedeutung beschreiben. Im Trockenen Schlamm entdecken wir tiefe Spuren von Ochsengespannen, die auch heute noch genutzt werden. Die Ruinen der alten Fabrik sind sehr beeindruckend. Auf dem gepflegten Gelände darf man sich frei bewegen und erfährt alles wissenswerte auf Schautafeln. Toll, wie auf dieser Insel Geschichte für jedermann erlebbar gemacht wird.

Nun folgt die spannende Frage, hält wieder ein Auto oder müssen wir zurück in die Stadt laufen.

Dieses Mal steigen wir nach 10 Minuten zu einer älteren Dame in den Wagen. Sie fährt extra für uns die Küstenstraße und hält an ihrem Lieblingsstrand, um ihn uns zu zeigen.

Das war wieder ein Tag voller Erlebnisse und Begegnungen. Wir lassen ihn am Strand mit den „Summers“ ausklingen, die uns inzwischen hierher gefolgt sind.

Zur Zeit sind noch ein paar andere deutsche Yachten hier in der Bucht. Die Endless Summer organisiert kurzerhand ein kleines Potluck am Strand. Die großen, überdachten Picknickbänke sind wie dafür geschaffen. Leider ist die BigWig schon wieder weiter gezogen. So lernen wir die Familien von der Nikola und der NoLimit kennen. Mit den insgesamt 5 kleinen Kindern ist es das eine kurzweilige Runde. Zum Sonnenuntergang werden wir trotz Einreibung von der „Dschungelluftwaffe“ angegriffen, so dass wir fluchtartig zusammen packen und auf die Boote zurückkehren.

An 08. Februar kommt über die sozialen Medien eine Tsunamiwarnung. Nördlich von Honduras gab es ein Erdbeben von der Stärke 7,6. Wir finden schnell heraus, dass es eher die westliche Karibik treffen würde, also die Cayman Islands, Jamaika, Kuba, Mexiko, Honduras, Bahamas, Haiti, die Turks und Caicos, Belize, die Dominikanische Republik, Kolumbien, Panama, Puerto Rico, die US- sowie die British Virgin Islands und auch die ABC-Inseln. Wir sind trotzdem alamiert, denn das Ankerplatz-Wellen-Erlebnis vom letzten Februar ist bei uns noch sehr präsent. Damals gab es einen Sturm vor Mexiko und die Wellen haben bis in die Grenadinen Schaden angerichtet.

Zum Glück kommt es dieses Mal nicht zu so einer enormen Wellenentwicklung und auch der Tsunami bleibt aus. Es ist schon Wahnsinn, mit welchen Gefahren die Menschen hier leben. Hurrikane, Erdbeben, vulkanische Aktivitäten, Tsunamis …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert