Im Zickzack durch die Nacht

Aufbruchstimmung in Dover. Einige Yachten sind schon zeitig unterwegs. Wir haben das Mittagshochwasser im Visier. Vorher heißt es noch schnell die Wäsche waschen. In Eimer und Schüssel, da wir grad nicht ausreichend Pfundmünzen für die Maschine haben…

Während die sauberen Shirts in der Sonne schaukeln, bereiten wir den Start vor. Natürlich liegt wieder neben der Seekarte und dem Wetterbericht die Tiedentabelle vor uns. Da wir eine längere Strecke planen, werden wir nicht immer die günstigen Strömungen abbekommen. Zum Aus- bzw. Einlaufen  soll es aber passen.

Am Nachmittag verlassen wir den Hafen in westlicher Richtung. Die Sicht ist super, Calais ist am östlichen Horizont klar zu erkennen.  Man kann sogar verschiedene Farben am Ufer sehen. Heute Vormittag ist aus Dover ein Schwimmer aufgebrochen. Bei 17 °C Wassertemperatur sind die 20 sm sicher nicht ganz ohne. Wir können das Begleitboot im AIS beobachten. Es fährt ca. 1,5 bis 2 kn und ist schon in der Nähe des Hauptschifffahtsweges. (0020 Uhr war der Schwimmer übrigens in Frankreich, also ca. 15 Stunden unterwegs) Krasse Leistung, die sich immer wieder Menschen zutrauen!

Ganz langsam ziehen Dovers weiße Klippen an Steuerbord vorüber, während uns an Backbord in gebührender Entfernung zwei Delphine entgegen kommen. Offensichtlich haben sie keine Zeit uns sind schnell wieder verschwunden.

Es ist unglaublich, wie weit man heute sehen kann. Voraus nehmen wir zuerst lange einen Windpark, später auch Hochspannungsleitungen war, die sich nicht so richtig mit der Karte in Einklang bringen lassen. Dann stellt sich heraus, dass die Windräder an Land stehen und die Leitungen zu der Landzunge führen, die vor uns liegt. Durch die Erdkrümmung sieht man natürlich zuerst die höchsten Punkte …

Ein toller Sonnenuntergang mit langer Dämmerung begleitet uns in die Nacht hinein. Dann ziehen dicke Wolken auf und der Wind legt ’ne Kohle auf. Bevor es ganz dunkel wird, binden wir ein Reff ins Segel. Etwas später verkleinern wir auch das Vorsegel. Dann wird es richtig finster. Man sieht nur Lichtpunkte und manchmal nicht einmal die. In unserer Nähe taucht plötzlich ein schwarzes Segel auf. Als es fast auf Sichtweite ist, gibt’s plötzlich ein AIS-Signal und Positionslampen. Als er vorbei ist, war er schon wieder unsichtbar… 

Dieser Segler ist nicht unsere einzige Begegnung der Nacht. Fast fühlt es sich so an, als wären wir in einer Regatta. Bis zu sechs Segler sind neben kleineren Frachtern und Fischern um uns herum. Zu zweit halten wir die ganze Nacht Ausschau. Glücklicherweise steuert der elektrische Windpilot zuverlässig.

Als es endlich hell wird, legt der Wind noch ein bisschen zu, es gibt auch etwas Regen in allen Variationen und die Wellen sind auch ordentlich gewachsen. Zwischen ein und zwei Metern rollen sie von schräg vorn auf uns ein. Die eine oder andere schafft es auch über Deck zu kommen, so dass wir hinten die Köpfe einziehen müssen. Da es genau aus der Richtung pustet, in die wir wollen, legen wir ca. die doppelte Strecke zurück…

Nach 23 Stunden und 119 sm laufen wir in die kleine Schleuse vor der „Lady Bee Marina“ in Shoreham-by-the-Sea ein. Mit Strömung und Wind von hinten wird das eine schwierige Aufgabe. Nur eine falsche Entscheidung und wir liegen quer in der Schleuse. Glücklicherweise ist der Schleusenwärter sehr geduldig. Wir sind gerade die einzigen Kunden, so wartet er, bis wir ordentlich verschnürt sind…

Um 1400 Uhr sind wir am Steg fest. Viel ist mit uns heute nicht mehr anzufangen. Liegeplatz bezahlen, Essen, aufräumen, duschen, Zähne putzen und dann ab in die Koje. Morgen sehen wir mal, wo wir hier eigentlich sind…

4 Kommentare


  1. Einfach toll, dass man den Törn so miterleben kann.
    Vielen Dank!
    Ein „armer Mensch an Land“

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    1. Gerne, es freut uns, dass es so gut ankommt.
      Viele Grüße nach Salem

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  2. Hallo Weltumsegler,wir verfolgen euren Tourn,und wünschen weiterhin gute Fahrt.
    Liebe Grüße Ute und Klaus.

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    1. Vielen Dank!
      Wir hatten uns eigentlich vorgenommen wenigstens kurz in der Flensburger Förde Halt zu machen. Der Wind wollte es anders… Vielleicht auf dem Rückweg.
      Liebe Grüße nach Flensburg
      ???

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